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Wie ein Schiff im Sturm (Mannheimer Morgen - 20.09.08)

Sie versprechen einen königlichen Auftritt: Pumps. Doch wer den sicheren Gang mit ihnen nicht beherrscht, wirkt eher mitleiderregend. Ein Laufsteg-Kurs soll Abhilfe schaffen

Laufen wie ein Model? Danach stand mir nie der Sinn. Aber ab und an gibt es doch Situationen, in denen schöne Schuhe mich im Schuhgeschäft förmlich anflehen, sie mitzunehmen. Aber ich widerstehe - weil ich genau weiß, dass sie im Schuhschrank versinken würden: wegen der zu hohen Absätze.

Katrin Filthaus, Mannheimer Morgen, beim Laufstegkurs in MannheimDenn mal ehrlich: Was ist schlimmer als eine Frau, die auf hohen Schuhen unsicher durch die Gegend stakst? Dann doch lieber elegant in flachen Tretern. Als ich höre, dass es in London jetzt Kurse gibt, in denen das perfekte Stöckeln gelernt werden kann, kommen mir die nicht gekauften Schmuckstücke für die Füße in den Sinn. Was die in London können, können wir hier erst recht, denke ich. Im Internet finde ich Modelschulen in Mannheim, ich greife zum Telefon und schildere Aloisia Leto, der amtierenden Miss Ludwigshafen und Miss Rheinland-Pfalz, die in Mannheim ein Modelzentrum betreibt, mein Anliegen.

Normalerweise gibt die 21-Jährige Kurse, die auf mehrere Wochen angelegt sind. Dabei werden neben der eleganten Fortbewegung auf dem Laufsteg auch Castings geprobt und Styling- und Make-up-Tipps gegeben. Zehn Wochen lang, jeweils eineinhalb Stunden. Aber ich will ja nur ein paar Tipps für das sichere Laufen auf der Straße. Kurzfristig hat Leto auch dafür einen Termin: "Bringen Sie Schuhe mit Absätzen von mindestens fünf Zentimetern mit, dazu enge Jeans, damit ich sehen kann, wie Sie sich bewegen, und ein kurzärmeliges Top", lauten ihre Anweisungen.

Angst vor dem Fall
Dann ist der Abend des Kurses da. Mit wahrer Todesverachtung bin ich am Vorabend um die Pumps herumgeschlichen: Soll ich sie nicht doch schon ein bisschen einlaufen? Ich habe eine Szene aus "Sex and the City" vor Augen, in der Carrie, die Ikone auf hohen Schuhen, mit eben diesen stolpert und fällt.

Aloisia Leto wartet schon im Trainingsraum eines Gesundheitsstudios auf dem Mannheimer Lindenhof, in dem sie ihre Kurse gibt, und plötzlich ist die Nervosität verflogen. Ich laufe meine erste Bahn durch den Raum (wie viele Kilometer ich an diesem Abend wohl zurückgelegt habe?) - und schwanke dabei wie ein Schiff auf stürmischer See, so kommt es mir zumindest vor.

Die Ludwigshafenerin sieht wohl auch, dass wir lieber von vorne anfangen sollten, "Schuhe aus, wir üben erstmal barfuß". Mit dem rechten Fuß beginnen, immer einen Fuß vor den anderen setzen, wie auf einer Linie, dabei die Beine durchdrücken, die Arme parallel zu den Beinen elegant schwingen, die Handflächen zeigen nach innen, Brust raus, Bauch rein - worauf man alles achten muss! Aber ich will doch gar nicht auf den Laufsteg, kann ich auf der Straße wirklich so laufen, wie sie es mir gerade erklärt hat? "Das würde ziemlich affig und arrogant wirken", sagt Leto lachend. Aber das mit der Haltung ist trotzdem wichtig, "gerade Teenager fallen geradezu in sich zusammen. Eine aufrechte Haltung und Spannung im Körper muss sein", betont das Model.

Auch meine Haltung lässt zu wünschen übrig, und Leto tut das, was ich höchstens aus Androhungen meiner Mutter kenne: Sie steckt mir einen Stock in den Rücken, damit ich gerade laufe. Also noch einmal von vorn: Brust raus, Bauch rein, Spannung - es hilft tatsächlich. Bald schon darf ich wieder Schuhe anziehen, und ich habe das Gefühl, dass ich schon etwas weniger schwanke. Weiter ziehe ich auf und ab meine Bahnen, immer hochkonzentriert, mal zusammen im Gleichschritt mit Leto, mal legt sie mir nur unterstützend die Hand in den Rücken, mal soll ich (möglichst) auf einer Linie auf sie zu laufen. Zwischendurch habe ich den Eindruck, dass ich den Bogen jetzt raus habe, will schwungvoll anlaufen - und wackle wieder ganz bedenklich. Ich stelle fest: Das ist richtig harte Arbeit.

Den sicheren Auftritt üben
Nach gut einer Stunde sind meine Schritte nicht mehr ganz so unsicher wie zu Beginn. Ich komme sogar halbwegs elegant durch die Spur, die Leto mir mit grünen Gummibändern auf den Boden gelegt hat. Sie selbst hat übrigens mit elf Zentimeter hohen Absätzen begonnen und die Höhe dann nach und nach reduziert. Den Ehrgeiz habe ich gar nicht, aber wenigstens weiß ich jetzt, dass Übung tatsächlich den Meister macht. Und dass es für ein sicheres Auftreten nie zu spät ist.

Die Frau mit den italienischen Wurzeln zeigt viel Geduld mit meinen "Gehversuchen". Bei ihr sieht das alles kinderleicht aus, ich dagegen habe schließlich Schweißperlen auf der Stirn, so sehr muss ich mich konzentrieren. Und dabei soll man auch noch entspannt lächeln? Am Ende meines Crashkurses bin ich jedoch ganz zufrieden. "Üben, üben, üben", gibt Leto mir mit auf den Weg und schärft mir ein, neue Schuhe zu Hause vor dem Spiegel einzulaufen.

"Anfänger sollten außerdem darauf achten, dass sie ausreichend Halt in den Schuhen haben. Hohe Riemchensandalen können im Regal noch so schön aussehen, wenn man darin nicht sicher läuft, bringt das gar nichts", erklärt sie. Und gerade vor bedeutenden Anlässen wie Abi-Bällen oder auch Hochzeiten sei das Üben für den großen Auftritt wichtig. Einen Tipp für unebenes Terrain gibt es auch: "Bei Pflastersteinen nur mit den Zehenspitzen auftreten, ansonsten aber mit dem ganzen Fuß."

Am nächsten Morgen habe ich Muskelkater in den Schultern (ich muss wohl wirklich an meiner Haltung arbeiten) und freue mich aufs Wochenende: Dann werde ich mir nämlich neue Schuhe kaufen.

Katrin Filthaus, Mannheimer Morgen
20. September 2008

Foto Blüthner

Links:
www.morgenweb.de/nachrichten/video/rhein_neckar/20080920_laufsteg_training.html

Mannheimer Morgen

 

 
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